In der WELT von gestern fordert die Nobelpreisträgerin Shirin Ebadi das Regime in Teheran auf: lasst meine Schwester frei!

Ich erkläre hiermit, dass meine Schwester Dr. Nuschin Ebadi (47), die Zahnmedizin an der Azad-Universität von Teheran lehrt, von vier Geheimdienstoffizieren der Islamischen Republik des Iran verhaftet wurde. Sie wurde am Morgen des 28. Dezember 2009 in ihrer Wohnung in Teheran festgenommen. Derzeit haben wir keine weiteren Kenntnisse über ihren Verbleib und die Umstände der Verhaftung.
Während der vergangenen zwei Monate haben bestimmte Personen aus Regierungskreisen mehrfach Kontakt mit meiner Schwester aufgenommen und sie unmissverständlich aufgefordert, mich zu kontaktieren und mir ein sofortiges Ende meiner Menschenrechtsaktivitäten nahezulegen. Man drohte ihr damit, sie müsse ihre Wohnung, die im gleichen Haus liegt wie meine, notfalls räumen. Würde sie sich weigern, mit der Regierung zu kooperieren, und gelänge es ihr nicht, mich zu überzeugen, dann würde man sie verhaften. Ich nahm das anfangs nicht ernst und muss nun voller Kummer und Erregung sagen, dass dies eben mehr war als nur eine leere Drohung.
Für mich ist wichtig, an dieser Stelle zu betonen, dass meine Schwester in keinster Weise politisch aktiv und auch kein Mitglied irgendeiner Menschenrechtsorganisation ist. Ihr einziges Verbrechen scheint zu sein, dass sie meine Schwester ist. Ihre Verhaftung soll einmal mehr dem Zweck dienen, mich an meinem Engagement zu hindern.
Ich erwarte von der iranischen Justiz, dass sie sich diese ungesetzliche und bösartige Verhaftung eines Mitglieds meiner Familie zu Eigen macht und fordere die umgehende Freilassung meiner Schwester.
Der Iran ist derzeit in Aufruhr, und diese unrechtmäßigen und illegalen Verhaltensweisen werden nur noch mehr negative Folgen zeitigen. Was wir im Iran brauchen, ist ein friedlicher Dialog und Toleranz.