In Telepolis erschien heute ein
Interview mit einem der Macher des
Perlentauchers - Thierry Chervel - in dem es um die aktuelle Islamdebatte in Deutschland geht.
Auslöser dafür war ein
Beitrag vom 18.01.2010, in dem unter anderem auch Hendryk M. Broder gedisst wird; aber auch gegen Ayaan Hirsi Ali und Necla Kelek richten sich die Angriffe des Perlentauchers. Mir ist allerdings nicht ganz klar, was der Autor des Artikels genau sagen möchte; listet er doch nur die Ideen diverser Feuilletons auf - unklar bleibt (mir), welche Stellung Thierry Chervel selbst dazu bezieht.
In der Zeit regierte Hilal Sezgin darauf mit folgenden Zeilen:
In politischer Hinsicht verfolgt der Perlentaucher eine Richtung, die ihn in bedenkliche Nähe zu manchen agitatorischen Websites bringt. Insbesondere beargwöhnt er den Islam und gefällt sich darin, Essays zum Kulturkampf als erkenntnisfördernd zu präsentieren.
Worauf der Perlentaucher - völlig am Thema vorbei -
sich darüber aufregt, dass im Zeit-Artikel kritisiert wird, dass es eine gewisse Anonymität der Artikel-Autoren gibt. Was schon allein deshalb unsinnig ist, weil der streitbare Artikel, der der Auslöser war, namentlich gekennzeichnet war.
Doch zurück zu dem Interview:
Wie lassen sich die Angriffe auf dessen Kritiker in die seit einigen Wochen laufende Feuilletondebatte über den Islam einordnen? Und wie erklären Sie sich die doch sehr leidenschaftliche Verdammung von Personen wie Necla Kelek oder Seyran Ates?
Thierry Chervel: Das ist natürlich eine komplexe Frage. Bereits letztes Jahr haben verschiedene Feuilletons synchron, wenn auch nicht kampagnenmäßig auf einige Islamkritiker eingedroschen. In erster Linie auf Henryk Broder, aber im Grunde noch mehr auf Necla Kelek, Seyran Ates und Ayaan Hirsi Ali. Ich glaube, dass die starke Reaktion unser Mehrheitsmedien gegen diese Islamkritiker auch damit zu tun hat, dass deren Kritik am Islam bei den Medien selber einen wunden Punkt trifft. Die Islamkritikerinnen beweisen persönlichen Mut und handeln nicht ohne Risiko fürs eigene Leben. Bei den westlichen Medien spürt man hingegen ein nicht ausgesprochenes Zurückweichen gegenüber der Ideologie des Islamismus und gewissen Zumutungen, die uns diese Ideologie bereitet. Diese kann man klar benennen, z.B. die Mohammed-Karikaturen, die praktisch von keiner Zeitung in Deutschland abgedruckt worden sind.
Diese Aussage klärt, was Chervel in seinem oben erwähnten Perlentaucher-Artikel aussagen wollte. Er nimmt zwar auch Broder in seine "Verteidigung" auf (ich
trenne zwischen Isalmkritikern wie Broder und Kelek und Ates), meint aber das Richtige: Islamkritik hat in diesem Lande leider auch immer den Anschein von Rassismus. Es scheint schwer zu sein zu trennen zwischen einer Kritik an einer Religion und der Kritik an Menschen.