Normalerweise "klaue" ich ja eher woanders; heute mal bei mir selbst:

In Vertretung für die verhinderte Mina Ahadi sprach gestern Nazanin Borumand vor etwa 40 Interessierten über die aktuelle Situation in Iran sowie die Aufgaben und Ideen des Zentralrates der Ex-Muslime. Das gleich vorab: Frau Borumand vertrat nicht nur die verhinderte Mina Ahadi sehr gut, sondern auch die Ideen des Zentralrates.
Sie gab einen kurzen, aber sehr persönlichen Bericht über die Zeit in und nach der Revolution in Iran (1979) und erklärte, weshalb sie mit 19 Jahren (1985) das Land verließ; verlassen musste: es wurde ihr unter der rigiden religiösen Herrschaft des Mullahregimes unerträglich.
“Ich habe keine Luft mehr bekommen”, sagte sie wörtlich.
Eingehend auf die Situation in Iran nach der Wahlfälschung des Sommers sagte sie, dass es seit dieser Zeit für Gegner des Regimes einfacher wäre, Gehör und Öffentlichkeit zu finden. Was aber (leider) nicht bedeutet, dass es politische Unterstützung für die Freiheitsbestrebungen des iranischen Volkes gibt. Denn dagegen stehen, zumal in Deutschland, nicht unerhebliche wirtschaftliche Interesse. Die deutsche Regierung verweigert sich jeglicher Diskussion mit den Unterstützern der “grünen Revolution” in Iran.
Als ich Mitte Januar Mina Ahadi kennenlernte, kam sie gerade von einem solchen erfolglosen Versuch, im Bundestag Gehör zu finden. Das wäre – so Nazanin Borumand – eine Schande für ein demokratisches Land. Denn es hat den Anschein, als gelten die universellen Menschenrechte nur für die eigene Bevölkerung, nicht jedoch für Menschen in anderen Ländern.
Auch die Medien verbergen mehr als sie aufklären. Berichtet werde – so Frau Borumand – wenn überhaupt über den Atomstreit; aber nicht über die permanenten Menschenrechtsverletzungen im Land.
Später antwortete sie auf eine Frage, ob es denn eine politische Partei in Deutschland gäbe, die für die Belange des Zentralrates aufgeschlossen wäre:
“Die Parteien haben kein Interesse. Weder an der Menschenrechtssituation in Iran noch am Verein.“
Sie sprach auch über das gerade wieder aktuelle Thema “Kopftuch und Islam” und sagte dazu:
“Ein Kopftuch ist nicht nur eine Bekleidung, sondern ein Zeichen der Erniedrigung der Frauen“. Der Islam kenne keine Grenzen, die das Privatleben der Menschen respektiert. “Der Islam ist nicht nur in der Öffentlichkeit, sondern selbst in den Schlafzimmern anwesend.” Die barbarischen Gesetze dieses Landes sind Ausdruck einer barbarischen Regierung, die sich auf eine barbarische Religion berufe.
In der späteren Diskussion betonte sie, dass die Menschen – völlig unabhängig davon, ob sie gläubig sind oder nicht – eine säkulare Regierungsform wünschen, die eindeutige Trennung von Staat und Religion; ein Eindruck, den auch ich habe und der von religiösen Führern in Iran inzwischen teilweise ebenfalls vertreten wird.
“Ich bin aus dem Iran rausgegangen, weil ich keine Muslima bin – und werde in Deutschland als solche gesehen, und nur als Muslima.” Dies sei – so Frau Borumand – einer der Hauptgründe für die Gründung des Zentralrates der Ex-Muslime. Nicht mehr “bewertet” zu werden aufgrund seiner Herkunft, sondern einfach als Mensch mit Rechten (und Pflichten) anerkannt zu werden; dies zu vermitteln sei die wichtigste Aufgabe des Vereins.
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Aufgenommen: Feb 26, 15:29