Der Jubel über eine Studie des Evolutionspsychologen Satoshi Kanazawa in der säkularen Szene will kein Ende nehmen; hat dieser doch herausgefunden, dass
religiös oder auch konservativ zu sein,
... nicht von hoher Intelligenz [zeugt]. Schon vor zwei Jahren hatte eine Studie herausgefunden, dass mit steigender Intelligenz der Menschen der religiöse Glauben sinkt.
Das ist so neu und überraschend nicht - meiner Meinung nach - aber neu ist, dass es dazu nun auch Zahlen gibt:
Junge Erwachsene, die sich als "sehr liberal" bezeichneten, würden in ihrer Adoleszenz mit einem durchschnittlichen IQ von 106 deutlich besser abschneiden als diejenigen, die sich als "sehr konservativ" bezeichnen und nur einen IQ von 95 erzielen. Jugendliche, die sich als überhaupt nicht religiös bezeichnen, sind mit einem IQ von 103 ebenfalls intelligenter als solche, die sich für sehr religiös halten (IQ 97). Quelle: wie oben
Interessant an der Studie ist auch, dass Kanazawa - wie Dawkins - der Meinung ist, dass Religiosität "
Ausdruck von Paranoia" ist.
Gott entspricht einer paranoiden Weltanschauung, weil hier nicht nur eine Totalüberwachung stattfinden, sondern hinter allen natürlichen Phänomen das Wirken eines Gottes vermutet wird, der dann auch Big Brother genannt werden könnte. Die paranoide Grundeinstellung haben den Menschen gedient, als Selbsterhaltung und Schutz der Familien und Clans noch eine allgegenwärtige Aufmerksamkeit auf Gefahren notwendig machte. Jetzt würden die intelligenteren Kinder eher Atheisten werden. Quelle: wie oben
Hier klingt im Übrigen auch an, dass die Religionen ein ursprünglich evolutionärer Vorteil darstellte!
Was diese Studie aber richtig spannend macht, ist, was daraus gemacht wird. Anders als im hier zitierten Telepolis-Artikel trennen sowohl die
Süddeusche als auch
der Spiegel nicht in "Atheist" und "Theist", sondern in "konservativ" und "liberal" ein.
Dass Menschen nicht an über- und außerirdische Wesen glauben müssen, um ein gutes und erfülltes Leben zu führen, scheint den konservativen Blättern noch immer schwer vorstellbar zu sein.
Aber beide Artikel - das muss der Ehrlichkeit wegen gesagt werden - schreiben das offensichtliche "Buh-Wort" in den letzten Zeilen der Artikel:
Mit Intelligenz könne sich der Mensch von Traditionen abwenden. Dazu zählt er auch die historisch neue Idee, nicht an einen Gott zu glauben. Unter den befragten Amerikanern hatten die "überhaupt nicht religiösen" einen IQ von 103 und die "sehr religiösen" einen IQ von 97.
Die Aussagen Kanazawas decken sich mit früheren Studien über die negative Korrelation von Intelligenz und Religiosität. Erste Untersuchungen darüber sind fast hundert Jahre alt. In fast allen Studien stellten Forscher fest, dass religiöse Menschen einen geringeren IQ haben.
Und dass der konservative Spiegel die Studie nicht verstanden bzw. nicht annehmen kann, ohne noch nachzutreten, zeigt der letzte Satz:
Alle Linken und Linksliberalen, die sich nach Kanazawas Studie nun im siebenten Himmel wähnen, sollten jedoch beachten, dass ihre offenbar leicht erhöhte Intelligenz auch unangenehme Nebenwirkungen haben kann: Sie gehen unzufriedener durchs Leben und verdienen weniger Geld als Konservative. Quelle: SPON - wie oben
Nur ein Hinweis: man ist deshalb unzufrieden, weil man intelligent genug ist, das Leid der Welt zu sehen. Und man bekommt weniger Geld, weil man nicht skrupellos genug ist, im Namen des Herren auf Kosten anderer Menschen zu leben.
meint jedenfalls
Nic