Im Bloghaus gibt es eine Kritik zu seinem aktuellen Film "The Hunter", der auch auf der Berlinale lief.
Bei Filmdienst erschien dieser Tage ein Interview mit dem Regisseur, das ich hier auszugsweise wiedergeben möchte:
Die Zeit arbeitet
Mit „Zeit des Zorns“ (dt. Kinostart: 08.04.) wirft der 1967 geborene iranische Regisseur Rafi Pitts einen Blick auf den diktatorischen Staat, geht direkt und radikal die Themen Unterdrückung, Gewalt und Gegengewalt an. Der Racheakt eines Mannes nach dem Tod von Frau und Kind durch Polizeikugeln bei einer Demonstration wird zum politischen Statement, zum Manifest der Verzweiflung, zur Befreiung aus individueller Ohnmacht. Pitts, der trotz Zensurbehörde sein Drama realisierte, hofft auf Reformen.
Was für ein Mensch ist Ihr Protagonist, der aus Rache für den Tod seiner Liebsten zwei Polizisten erschießt?
Pitts: Er steht für all jene, die Repressionen des Machtapparats satt haben und trotz Gefahr für Leib und Leben Fragen stellen, auf die sie noch keine Antwort bekommen. Sie sind ungeduldig und wollen nicht auf Änderung warten, sie handeln. Durch den Verlust seiner Familie dreht er durch, nimmt das Recht in seine Hand. Ein Verlorener zwischen den Fronten in der Zeit des Zorns.
Wie war es möglich, den Film in Ihrem Land zu drehen?
Pitts: Zwei Jahre vor den Demonstrationen haben wir das Projekt bei der Zensurbehörde eingereicht, gedreht haben wir während des Präsidentenwahlkampfs. Ich bin immer noch überrascht, dass wir die Zustände quasi antizipiert haben. Es war etwas knifflig, aber das Drehbuch passierte die Zensur. Ich will, dass meine Filme gesehen werden, deshalb halte ich mich an bestimmte Regeln, auch wenn die Wirklichkeit ein Albtraum ist. Aber ich bin nützlicher in Teheran als woanders.
Viele Ihrer Kollegen arbeiten im Untergrund.
Pitts: Wir kennen uns untereinander. Wenn mir jemand meine Filme verbieten würde, würde ich auch in den Untergrund gehen, vielen bleibt keine andere Wahl. Aber ich will den Finger auf die Wunde legen und mit meinem Film ins Kino, Diskussionen auslösen, nicht in einem Mikrokosmos arbeiten, in dem alle einer Meinung sind und ihr Werk nur unter Gleichgesinnten zirkuliert.
Welche Chancen hat „Zeit des Zorns“, in iranischen Kinos zu laufen?
Pitts: Unser Beurteilungssystem besteht aus drei Kategorien: Wer von der Zensurbehörde ein A erhält, kriegt Förderung, bei B gibt es weniger und bei C gar kein Geld. Ich gehörte leider zu C. Beim Kinostart läuft es ähnlich. Wenn die Zensoren den fertigen Film mögen, gibt es zur Belohnung ein A, das heißt, er darf im ganzen Land starten, bei einem B reduziert sich die Zahl der Leinwände rapide, und C bedeutet, der Film läuft nur in einem Kino. Wahrscheinlich falle ich wieder in die C-Kategorie. Aber Hauptsache, ich darf zum Publikum. Ich hoffe, die Regierenden sind nicht zu nervös.
Nics BlogHaus - Gespräch mit dem iranischen Regisseur Rafi Pitts http://bit.ly/bUZeoM #iranelection
Aufgenommen: Mär 16, 20:35