Ich habe das Fliegende Spaghettimonster in diesem Blog bereits einmal vorgestellt. Doch gibt es diesen Artikel nach der Umstrukturierung nicht mehr. Deshalb muss ich wohl ein paar Worte dazu machen, ehe ich zum "Evangelium" komme.
Nachdem in den USA, wo die Kreationisten den (leider erfolgreichen) Versuch starteten, die Evolutionstheorie des Charles Darwin nicht als alleinige Darstellung der Entstehung der Welt in Misskredit zu bringen "erfand" Bobby Henderson die "Religion des Fliegenden Spaghettimonsters" (FSM). In Europa haben die Ideen des Kreationismus (noch) längst nicht die Relevanz wie in den USA. Deshalb mag dieses Buch hier bei weitem nicht solch Verbreitung finden wie es in den Staaten der Fall ist.
Trotzdem ist das Buch - wenn man ein wenig Hintergrundwissen hat - mehr als nur vordergründig amüsant. Ist es doch der "hochwissenschaftliche" Beweis, dass das Fliegende Spaghettimonster (FSM) existiert und die Welt, wie sie ist, erschuf.
Manchmal kommt man zu Büchern, die man sich sicherlich nicht gekauft hätte. Das hier ist eines davon. Es ist wunderschön anzusehen, hervorragend gebunden und ein bibliographisches Kleinkunstwerk.
Die Kritiken (z.B. auf Amazon) und der Werbetext lassen feingeistigen Humor und erfrischende Lektüre vermuten.
Die Geschichte: die (englische) Queen lernt lesen entdeckt die Welt der Bücher und der Literatur. Dazu verhilft Ihr eine Begegnung mit einer seltsamen fahrenden Bibliothek und ein lesender Küchenjunge.
Die Auswirkungen der majestätischen Leselust sind unvorhersehbar, die Grundfeste des Buckingham Palace werden jedenfalls gehörig durcheinander gewirbelt und für den Leser bleibt kein Auge trocken.
Aus dem Werbetext
Hmm... entweder bin ich nicht zugänglich für diese Art Humor (dabei dachte ich, dass ich gerad auch für den englischen ein gewissen Verständnis aufbringe)... aber meine Augen blieben trocken.
Ja, das Buch ist zum Teil sehr amüsant zu lesen... aber nicht mehr. Es ist eines von denen, die man in der gleichen Geschwindigkeit, mit der man es ausgelesen hat, vergißt.
Ist es nicht erstaunlich? Da beschreibe ich ein gerad mal 170 Seiten umfassendes Büchlein und benötige dafür mehrere Teile - während andere, bedeutend dickere Bücher mit einem kurzen Artikel auskommen müssen. Deshalb nun der letzte Teil zu dem Manifest des evolutionären Humanismus von Michael Schmidt-Salomon.
Es gibt einige Stimmen, die Schmidt-Salomon vorwerfen, in dem Manifest nur den Stand der Dinge festzustellen und zu kritisieren, ohne jedoch einen Lösungsvorschlag anzubieten (Vgl. auch das Nachwort zur zweiten Auflage). Möglicherweise ist es schwierig aus dem "wie-man-es-nicht-machen-sollte" die Alternativen herauszulesen. Nicht jede Änderung eines gesellschaftlichen Zustandes ist auch eine positive. Aber ich möchte Schmidt-Salomon wenigstens ein bisschen entschuldigen: denn er bietet Alternativen an; diese werden nur nicht in der Ausführlichkeit besprochen wie die Gesellschaftskritik. Hier sind allerdings auch andere Quellen aufschlussreicher; zum Beispiel die Seiten der Giordano Bruno Stiftung.
Schreibt Schmidt-Salomon zum Beispiel:
Evolutionäre Humanisten treten entschieden für das Selbstbestimmungsrecht des Menschen ein, das als Ultimo Ratio auch das Recht auf Selbsttötung ... miteinschließt.
Seite 127
In der derzeitigen öffentlichen Diskussionen zur "Patientenverfügung" treten die Humanisten für ein selbstbestimmtes Lebensende ein.
Das "Project Gutenberg" hat es sich zur Aufgabe gemacht, Literatur (vor allem englischsprachige) frei zur Verfügung zu stellen.
Wie ich heute bemerkt habe, gibt es auch viele deutschsprachige Bücher dort.
Von Abbe, Ernst bis Zweig, Stefan findet sich dort Unmengen an Literatur. Wer also keine Lust hat, Bibliotheken aufzusuchen oder kein Geld, Buchläden... das hier Versammelte genügt für viele Lesestunden.
Nic
PS: Und wer die Unmengen englischsprachiger Literatur lesen möchte, der kann sich hier sogar die Wörterbücher ansehen
Als ich heute früh im Buch las, um mir die Themen für den dritten Teil herauszusuchen wurde mir klar: es wird vermutlich auf noch mindestens einen vierten hinauslaufen.
Michael Schmidt-Salomon erklärt, dass aus der Sicht (nur?) des evolutionären Humanismus ein Unterschied zwischen Moral und Ethik geht; zwei Worte, die im Sprachgebrauch oft als Synonym genutzt werden. Er stellt fest, dass diese Begriffe nicht nur keine Gemeinsamkeit haben, sondern "dass es sich bei Ethik und Moral um diametral entgegengesetzte Ansätze zur Begründung von Verhaltensnormen handelt." (Seite 102)
In der Moral geht es um die subjektive Wertigkeit von Menschen vor dem Hintergrund vermeintlich vorgegebener metaphysischer Beurteilungskriterien [...] in der Ethik hingegen um die objektive Angemessenheit von Handlungen anhand intersubjektiv festgelegter und immer wieder neu festzulegender Spielregeln.
Seite 102
Davon ausgehend versucht er, die Gesellschaft in der wir leben, zu analysieren und kommt dabei zu einigen Schlüssen, die dem gewünschten "gesunden Menschenverstand" schlüssig scheinen, aber in der Gesellschaft eher befremdlich sind. Schmidt-Salomon schreibt über die Kräfte des Marktes, der sich eben nicht als selbstregulierend herausgestellt haben. Dabei zitiert er sowohl Marx als auch Adam Smith.
Das Marktprinzip ist zweifellos ein hervorragendes Instrument zur Befriedigung individueller Bedürfnisse [...], doch befriedigt es von sich aus keineswegs alle Bedürfnisse... Die Bedürfnisse derer, die [...] nicht am Marktgeschehen teilnehmen können [das meint auch als Konsumenten!] bleiben auf der Strecke
Wenn es einen ersten Teil gibt, muss es mindest auch einen weiteren geben...
Cover
Im letzten Artikel bin ich ja vom Buch weg hin zu eher grundsätzlichen Kommentaren gelangt. Nun; jetzt möchte ich aber doch eher am Text bleiben.
Michael Schmidt-Salomon als Sprecher der Giordano Bruno Stiftung hat das Manifest zwar in deren Auftrag geschrieben; wenn man sich aber die Aussagen der Stiftungsmitglieder ansieht (oder hört: siehe Video) kommt einem der Verdacht, dass er nicht den gesamten Kanon der Stimmen eingefangen hat.
Gibt es doch Stimmen, die nicht nur die Abgrenzung von der Kirche (von den Kirchen/Religionen) als Sinn und Zweck der Stiftung ansehen.
Aber Schmidt-Salomon begründet den Aufklärungsbegriff des evolutionären Humanismus:
Wissenschaftliches Wissen ist religiösem Glauben ... deshalb überlegen, weil es um die eigene Beschränktheit weiß. [...] Während Wissenschaftler wissen, dass sie nur etwas "glauben" [i.S. von "wahr halten"]...glauben Gläubige, etwas zu wissen, was auch morgen noch gültig sein soll, obwohl es in der Regel schon heute widerlegt ist.
Als ich vor wenigen Tagen über Schmidt-Salomons Heft "Auf dem Weg zur Einheit des Wissens" schrieb, ist mir aufgefallen, dass ich das Manifest des evolutionären Humanismus (Plädoyer für eine zeitgemäße Leitkultur) noch nicht im Blog erwähnt habe. Und ich versprach, das nachzuholen.
Also habe ich mir heut das Büchlein eingesteckt und noch ein wenig darin herumgelesen. Und siehe da: so einfach ist das gar nicht, darüber zu schreiben wenn das Lesen doch schon geraume Zeit zurückliegt.
Deshalb kann dieser Artikel nur der erste sein, in dem ich etwas über das Buch schreibe.
Im Artikel "Vom Virus des Glaubens" habe ich Dawkins zitiert. Im Manifest nun finden sich - bereits in der Einleitung - die Sätze, auf den Dawkins sich hier bezieht:
Eines der bedrückendsten Probleme der Gegenwart besteht darin, dass sich religiöse Fundamentalisten jeder Couleur in aller Selbstverständlichkeit der Früchte der Aufklärung...bedienen, um auf diese Weise zu verhindern, dass die Prinzipien der Aufklärung auf den Geltungsbereich ihrer eigenen Weltanschauung angewandt werden.
Seite 7
Im Weiteren definiert Schmidt-Salomon, welchen Hintergrund das Manifest hat; ja, weshalb es überhaupt ein Manifest sein muss. (Immerhin ein ziemlich genau definiertes Wort, das historisch etwas in Ungnade gefallen ist wegen des einen Schriftstückes, das sich ebenfalls Manifest nannte. Insofern ist die Wahl des Titels sowohl programmatisch als auch provozierend.):
Da ich eher zum Pazifismus neige und Armeen an sich schon eher für fragwürdig ansehe - um wieviel mehr muss ich da gegen die Rekrutierung von Kind-Soldaten sein? Deshalb habe ich auch auf der Titelseite des Blog (rechts) das Logo der roten Hand eingebunden.
Ich habe Reza Aslan's Buch "Kein Gott außer Gott" bei der Bundeszentrale für politische Bildung gekauft. Es gibt das Buch aber auch bei Amazon (und anderen Händlern) in gebundener und Paperbackausgabe.
Angesichts der Aktualität des Themas und einer wenigstens ansatzweisen objektiven Beschäftigung mit dem Islam, frei von den westlichen Vorurteilen zwischen Kreuzzugmentalität und Achse-des-Bösen-Denkens, das den Islam mit Al Quaida gleichsetzt - aber auch fern jeglicher Religionshörigkeit ist dieses Buch ein Versuch, die Geschichte und Entwicklung des Islam von einer in der Oase von Medina entstandenen Glaubensrichtung unter vielen zu einer Weltreligion zu zeichnen.
Und - das kann ich sagen soweit ich mich mit der Geschichte des Islam inzwischen auskenne - das ist dem Autor gelungen. Über diesen gibt es bei Wikipedia (noch) keinen Eintrag, er wird aber als "liberaler Islamwissenschaftler" erwähnt - in einer Reihe mit Shirin Ebadi und Necla Kelek.
In der Beschreibung des Buches heißt es:
Gerne hätte man öfter Anlass zu einer solch begeisterten Lobrede, wie sie diesem Buch gebührt! Mit Kein Gott außer Gott hat Reza Aslan nicht nur eine ausgesprochen profunde Geschichte des muslimischen Glaubens vorgelegt, die Lektüre ist auch literarisch ein Genuss. Alsan erzählt die Geschichte des Islam von den Anfängen bis in die Gegenwart mit einer souveränen Leichtigkeit, wie sie nur dem wirklich Wissenden gelingen kann.