Dieses mal fange ich an, über das Buch zu schreiben noch während ich es lese. Einfach auch deshalb, weil es so ungeheuer dick ist, so voll mit Fakten und Daten, dass ich anderenfalls sicherlich mehr vergesse als ich las.
Ich befasse mich ja nun schon geraume Zeit mit den Auswirkungen des Stalinismus; mit dem, was aus der Idee, aus der Utopie, wie sie Marx andeutete, wurde. Und obwohl ich die schrecklichen ersten Kapitel des Buches bereits gelesen habe und bedrückt und benommen bin - ich gehe trotzdem noch immer nicht davon ab, die Utopie, die der Kommunismus bieten kann, als lebens- und erstrebenswert für mich zu halten.
Mir ist bewußt, dass insbesondere auch die westliche Linke aber auch die Herrschaftsschicht im
real existierenden Sozialismus sich immer wieder damit entschuldigte, dass es sich bei den stalinistischen Verbrechen um "Ausrutscher", um "Abweichungen" von der Linie handelt. Aber sowohl dieses Buch hier als auch Hannah Arendt in ihrer
Analyse des Totalitarismus zeigen auf, dass die Menschenverachtung, der Terror gegen Andersdenkende systemimmanent ist. Das macht mir - zugegeben - Angst. Gibt es keinen Weg zu einer menschenwürdigeren Gesellschaft? Keinen, der nicht Terror als notwendig erachtet?
Andererseits finde ich es bezeichnend, dass auch das Schwarzbuch dazu schweigt (wie auch Hannah Arendt), welche anderen Methoden Lenin und die Bolschewiki hätten wählen können, um der Bedrohung von Innen und von Außen Herr zu werden. Wenn ich ganz objektiv darüber versuche nachzudenken komme ich zu dem Schluss, dass die Revolution in Rußland nicht hätte stattfinden dürfen; weil weder die Zeit dafür reif noch das Volk dazu in der Lage war.