
Keine der bürgerlichen Zeitungen in Deutschland hat, jedenfalls soweit mir bekannt, dem diktatorischen System des Iran seine Seiten zur Verfügung gestellt. Nein, das schaffte allein die sich links verortende Junge Welt in ihrer aktuellen Wochenendausgabe. Dort veröffentlicht sie unter dem Titel "
Die Iraner wollen Veränderung" ein Interview mit dem Botschafter der Islamische Republik Iran.
Nicht allein, dass ich schon die Überschrift des Artikels als eine Verhöhnung derjenigen empfinde, die tatsächlich für Veränderungen im politischen System des Landes kämpfen, ihr Leben, ihre Sicherheit, ihre körperliche Unversehrtheit und ihre Freiheit aufs Spiel setzen.
Auch dass der Autor,
Jürgen Cain Külbel, sich nicht entblödet, solch einen Satz zu formulieren: "
Die iranische Opposition, wenn man sie als solche bezeichnen kann…" bringt mich zur Weißglut. Das ist der gleiche Wortlaut und Geist wie nach der DDR-Wahl im Mai 1989, als die Junge Welt von der "sogenannten Bürgerechtsbewegung" sprach. Der Autor sollte sich schämen. Und entschuldigen bei all denen, die nicht wie er in der warmen Redaktionsstube sitzen, sondern auf die Strasse gehen.
Das ist innerhalb weniger Tage der
zweite Affront gegen die, die tägliche Mahnwachen am Brandenburger Tor abhalten; gegen die, die auf die Strasse gehen zu Demonstrationen und Kundgebungen. Gegen die, die Gesicht und mehr Mut zeigen, als sich ein Cain Külbel vermutlich vorstellen kann.
(Ein wenig googeln hilft, um sich ein Bild des Autors zu machen.)
Nun ist ein Autor nun sicherlich nicht die Zeitung. Doch abgesehen von der ewiggestrigen Mitteilung, dass die grüne, die samtene Revolution schon allein deshalb nicht zum Erfolg kommen kann, weil das Proletariat nicht die führende Rolle innehat, scheinen die Leute dort von einer bürgerlichen Revolution noch nie gehört zu haben.