Nach meinem
gestrigen Artikel über Henryk M. Broders letzte Provokation und dem
zustimmenden Kommentar stelle ich heute fest, dass dieser Artikel
(also Broders, nicht meiner!) kontrovers diskutiert wird.
Der Feuerbringer ist begeistert - genau wie ich - von der sehr atheistischen Aussage Broders und fordert "Broder for President!" - ich habe den Artikel bereits kommentiert: "Ich finde zwar den Artikel – vor allem sein deutlich atheistisches Statement am Ende – recht gut; aber ich trau ihm einfach nicht. Er ist zu sehr Provokateur, als dass ich ihn wirklich ernst nehmen kann."
Und dieses Unbehagen, das mich trotz allem nicht verließ, scheint nicht nur mir schwer zu schaffen zu machen. So bezeichnen Hans-Jürgen Jakobs und Oliver Das Gupta
in der Süddeutschen Zeitung Broder als "die Kalaschnikow des deutschen Meinungsjournalismus".
In ihrem Artikel allerdings kritisieren sie Broder unter anderem auch für die von mir positiv aufgenommene Aussage, dass er sich (als Präsident des Zentralrates der Juden) für einen Dialog mit Muslimen einsetzen würde.
Ich denke seit gestern darüber nach, ob man einen öffentlich wirksamen Provokateur, wie es Broder einer ist, wirklich deshalb ernst nehmen und zustimmen darf, wenn sich in dem Wust seiner Worte auch einmal einige finden, die in das eigene Weltbild passen. Dabei vor Begeisterung dann all den anderen Müll zu vergessen oder zu ignorieren, den der Autor noch so verzapft... ist das nicht ein sehr eingeschränktes Denken?
Der Spiegelfechter ist jedenfalls der Meinung, dass man Broder nicht über den Weg trauen darf; auch wenn er zufällig einmal etwas schreibt, mit dem man einverstanden sein kann:
Wenn die Pathologie des umtriebigen Rechtspopulisten allerdings so simpel wäre, sollte man ihn behandeln wie jeden anderen pubertierenden Gernegroß auch – einfach rechts liegen lassen. Für einen Pausenclown ist die Nichtbeachtung bekanntlich die Höchststrafe. Broders Pathologie ist allerdings nicht so einfach. Er ist ein eitler Geck, zerfressen von Hass auf das links-intellektuelle Establishment. Narzissmus und Hybris sind Broders Kardinaluntugenden. Intellektuellen Auseinandersetzungen geht der Broderliner am liebsten aus dem Weg, zu groß ist die Gefahr, entzaubert zu werden.
Bekanntlich hege ich für den Journalismus von Jens Berger große Sympathie. Insofern gibt das meinen auch gestern geäußerten Zweifeln wieder neue Nahrung.