Wenn ich über diese Frage nachdenke, überkommt mich immer so eine Art Unbehagen. Besonders beim Lesen von
Schmidt-Salomos letztem Buch. Hier spricht der Autor dem Menschen die Möglichkeit, einen freien Willen zu haben, generell ab. Bereits bei der Buchbesprechung habe ich geschrieben: "
Woran ich allerdings subjektiv wirklich zu knabbern habe, ist die logisch bewiesene Abwesenheit eines freien Willens."
Denn es ist tatsächlich schwer, sich vorzustellen, dass wir Menschen, ganz entgegen unseres subjektiven Empfindens, über unseren Taten und Gedanken nicht selbst bestimmen (bzw. nur im Rahmen unserer, nicht von uns selbst bestimmter, Möglichkeiten). Das zeigen auch
die Kommentare zu meinem Artikel.
Beim letzten Treffen der Berliner evolutionären Humanisten (gbsbb) habe ich länger und ausführlicher mit einem Kollegen dieses Thema diskutiert (und wir waren beide der Meinung, dass das eines ist, das mehr Beachtung und Diskussion erfordert). Ohne jedoch zu einem Ergebnis zu kommen. Denn wie gesagt: rein logisch ist mir die Negation eines freien Willens völlig klar. Allein: es wehrt sich etwas "in mir" dagegen.
Nun ergab sich der Zufall, dass ich heute im Netz einen Artikel von Bernd Vowinkel fand, der sich genau mit diesem Thema "
Ist der Wille frei?"
(pdf) befasst. Ein, wie mir scheint, sehr guter und verständlicher Aufsatz, in dem Vowinkel genau meine (und sicherlich nicht nur meine) Vorbehalte aufgreift und - anders als Schmidt-Salomon - verschiedene Varianten des Herangehens an die Thematik darstellt.
Vowinkel definiert zuerst einmal, was freier Wille bedeutet und worin er sich von Handlungsfreiheit unterscheidet. Daraufhin folgt er zwar der Begründung Schmidt-Salomons dem Grunde und der Aussagen nach - aber stellt diese Aussagen auch in Frage:
Ob wir das Problem des Bewusstseins und des freien Willens in der Zukunft abschließend lösen können, hängt davon ab, inwieweit die Naturwissenschaften, die Medizin und die Psychologie experimentellen Zugang dazu haben. Als gesichert können wir jedoch festhalten, dass menschliches Denken zumindest teilweise unberechenbar ist.Quelle: "Ist der Wille frei? - Seite 13 (Unterstreichung durch mich)
denn in dem Moment, da ein Faktor der Unberechenbarkeit, also des Zufalls unser Handeln bestimmt, könnte man argumentieren, dass unser Handeln von einem (zwar zufälligen, aber) freien Willen bestimmt sein könnte. Also dass der Mensch über einen freinen Willen verfügt, der
nicht determiniert ist.