
Ich lese seit zwei Tagen Alan Poseners Dokumentation "Benedikts Kreuzzug". Ein Buch, in dem sich dieser sicherlich
nicht unumstrittene Journalist mit dem Versuch Benedikts befasst, die Aufklärung zu relativieren und ein Rollback in das Mittelalter zu propagieren.
Soweit ich das Buch bisher gelesen habe, bin ich mit Posener an vielen Stellen einverstanden, auch wenn ich seine Begründung oft kritisch sehe. Doch von solchen Differenzen abgesehen ist das Buch eine tiefgründige Dokumentation des Gedankengebäudes dieses Papstes. Eines, bei dem ich mich immer wieder frage: wie konnte dieser Mann in einer Zeit der Aufklärung aufwachsen und völlig frei von deren Gedanken sein? Wie kann man in der Mitte des 20. Jahrhunderts seine Bildung erhalten um dann im 21. Lehrmeinungen zu vertreten, die dem 16. entsprechen?
Dieses rückwärtsgerichtete Denken greift Posener vehement an. Über seine Gründe und Hintergründe berichtet er in einem
Interview bei Telepolis, auf das ich hier unbedingt hinweisen möchte.
Seine erste Antwort (auf die Frage, ob er die Kirche hasse) entspricht auch meiner Einstellung:
Ich hasse die Kirche gar nicht. Ich stehe auf dem guten, alten preußischen Standpunkt, dass jeder nach seiner Facon selig werden soll - der Christ, der Muslim, der Jude, der Atheist. Wer mich in Ruhe lässt, den lasse ich in Ruhe. Quelle: Telepolis
Genau aus diesem Grunde greift er in seinem Buch nicht die Religion als solche an, greift er nicht einmal die katholische Kirche in ihrer Gesamtheit an (was eventuell etwas kurz gedacht ist - denn ein Papst wird nur Papst, weil er von der Mehrheit der Kardinäle gewählt wird), sondern sucht sich als alleinige Zielscheibe Benedikt heraus. An dessen Veröffentlichungen zeigt Posener auf, wie B16 tickt und mit welch demagogischen Mitteln dieser versucht, die Aufklärung "abzuschaffen".
Und so sich selbst in eine Nähe begibt zu den Mullahs in Teheran und den nicht zufällig wieder aufgenommenen Pius-Brüdern.
Nic