Heute schreibt Aaron König, das umstrittene Mitglied des Piraten-Vorstandes,
in seinem Blog über den
Versuch des vermutlich islamistischen Attentäters, den Zeichner der Mohammad-Karikaturen,
Kurt Westergaard mit einer Axt zu erschlagen. Dabei findet er erstaunliche Worte:
Man kann nämlich sehr wohl die menschenverachtenden, gefährlichen Aspekte einer Religion kritisieren, ohne damit die Menschen aus dem Kulturkreis, in dem diese Religion dominiert, pauschal zu verurteilen. Wir sollten sehr präzise unterscheiden zwischen Herkunft, Kultur und Weltanschauung. Andere Kulturen können unsere Gesellschaft bereichern – religiöse Dogmen müssen wir hingegen kritisch prüfen. Nur solche, die mit den Werten der Aufklärung kompatibel sind – dazu zählen für mich Meinungsfreiheit, Demokratie, Gleichberechtigung der Geschlechter, Toleranz gegenüber Andersdenkenden und sexuell anders Orientierten - können wir akzeptieren.
Das ist – natürlich – richtig; zeigt aber auch die Gefährlichkeit und das Glatteis, auf dem sich diese Art von Argumentation begibt.
Was steckt dahinter?
Vor allem eines: die Angst vor einem Islam, der medial als generell menschenverachtend, als permanent feindlich eingestuft wird. Richtig ist, dass wir religiöse Dogmen prüfen müssen; aber: das gilt auch für die des Westens. Mit einem oft wahllosen Herausgreifen von Zitaten – sowohl aus dem Koran als auch aus der Bibel – ist niemandem geholfen. Es findet sich in dem Einen wie dem Anderen Buch Zitate, die darauf abzielen, alle Anders- und Ungläubigen zu töten. (Sowie sich auch freundlich-friedliche Worte finden lassen.)
Und so tappt auch Aaron König in die Falle und bedient sich freigiebig aus dem Topf der vorgegebenen "Haßsuren" - ohne zu hinterfragen und vermutlich ohne den Koran zu kennen.
Gerade wer sich auf die (christlichen) Werte des „Abendlandes“ bezieht, muss damit rechnen, dass ihm der Wind unter Verweis auf das Alte Testament hart ins Gesicht bläst.
Es ist richtig, dass wir uns immer und immer wieder – auch gegen alle Medienberichte – darum bemühen müssen, Menschen nicht allein deshalb zu verurteilen, weil sie gläubig sind. Das gilt sowohl für Moslems als auch für Christen, Buddhisten und alle anderen. Was aber – zumindest für mich – nicht bedeuten muss, dass ich die Religion als solche gutheiße.
Nur: religiöses Leben ist Privatsache. Und was wer wie denkt; ob der einem Allmächtigen anhimmelt oder dem Spaghetti Monster die Ehre gibt, ob er an Wiedergeburt glaubt oder daran, das im Wohnzimmer ein unsichtbares, rosa Einhorn steht... das ist mir schlichtweg egal. Solang er nicht versucht, mich gegen meine eigene Vernunft zu bekehren.
In seinem letzten (zitierten) Satz sprich Aaron etwas an, das es auch mir schwer macht, auf eine Reform(ation) des Islam zu hoffen. Kann eine monotheistische, eine patriarchalische Religion überhaupt kompatibel werden zu den Grundwerten der Aufklärung? Meine einzige Hoffnung: vom Christentum hätte man das vor 250 Jahren auch nicht erwartet. Allerdings sind seitdem sowohl die Technik weiter als auch die Welt kleiner geworden. Und was wir erleben ist ein Konflikt zwischen der Moderne und einer – von uns als fremd wahrgenommenen – Wirklichkeit, die sich um Werte zu ranken scheint, die aus dem Mittelalter zu stammen scheinen. Wir wissen jedoch nichts oder nur wenig darüber, dass es auch innerhalb des Islam aufklärerische Strömungen gibt. Wir nehmen medial nicht wahr, dass sich der Islam wandelt.