

Noch immer bin ich überrascht, welche Reaktion
mein Artikel zu Aaron Königs Verbalentgleisung ausgelöst hat - und offenbar noch immer auslöst. Noch immer werden neue Kommentare geschrieben, noch immer per Twitter auf den Artikel verwiesen.
Ich bin jedoch nicht unbedingt auf Beifall von der falschen Seite scharf; und halte solch Statements wie "Der hat nen Vollschaden!" für ungenügend und wenig konstruktiv. Sicher, für mich ist Aaron König als Politiker gestorben; er hat sich selbst ins Abseits gebracht mit seinen Äußerungen zum Minarettbauverbot in der Schweiz, durch seinen Beitrag in Sachen Kopftuchstreit und nun durch seinen Aufruf zum Krieg gegen Iran. Für mich ist Herr Stefan-Aaron König einfach nur ein profilierungssüchtiger Möchtegernpolitiker, der zwar zu Vielem seine Meinung kundgibt, dies aber nicht unbedingt mit seinem Wissen korrespondiert. Und noch viel weniger mit den
politischen Zielen der Piratenpartei.
Erstaunlich - und befremdlich - finde ich allerdings auch einige Mitteilungen, die ich per Mail erhielt, dass ich mich - da die Piratenpartei offiziell keine Stellungnahme zur Thematik "Iran" abgibt - rauszuhalten habe und keine Diskussionen erwünscht sind. Das scheint aber vor allem die Haltung der Parteiführung zu sein; der Aufruhr, den König provozierte, spricht eine andere Sprache.
Nun mag vieles von dem, was sich im Nachgang um Herrn Königs aktueller Entgleisung bei den Piraten an Aggression und Abscheu zeigt, mit seiner Person zu tun haben. Und leider aber wenig mit der Sache. In den Kommentaren zu meinem Artikel gibt es nur einige wenige sachliche Fragen. Doch genau um die geht es mir!
Was meiner Meinung nach Not tut, ist, dass sich die Piraten; jeder Einzelne; mit dem Thema Iran befasst und danach für sich wenn auch keine Parteimeinung (denn die Partei hat ja offiziell keine) so doch wenigstens eine eigene findet.
Ich will versuchen, gesammelt auf die Fragen und Ideen einzugehen, die in den Kommentaren benannt wurden:
Vorgeworfen wurde mir, dass ich des Herren Königs Meinungsfreiheit einschränken möchte, indem ich ihm verbiete, zum Krieg gegen ein Land aufzurufen, dass das unsere weder bedroht noch angreift.
Dazu kann ich nur sagen: es gibt - aus leidvoller Erfahrung zweier Weltkriege, die Deutschland angezettelt hat - in unserem Strafgesetzbuch den
Paragraphen 80, in dem es heißt: "
Wer einen Angriffskrieg (Artikel 26 Abs. 1 des Grundgesetzes), an dem die Bundesrepublik Deutschland beteiligt sein soll, vorbereitet und dadurch die Gefahr eines Krieges für die Bundesrepublik Deutschland herbeiführt, wird mit lebenslanger Freiheitsstrafe oder mit Freiheitsstrafe nicht unter zehn Jahren bestraft." Es genügt also - nach § 80 StGB bereits der Aufruf ("beteiligt sein soll"), um sich strafbar zu machen. Einem Politiker einer demokratischen Partei sollte dies geläufig sein und er hat sein Handeln und öffentliches Wirken dem anzupassen.
In diesem Falle gilt:
keine Toleranz für Intoleranz! Hier ist die Grenze der Meinungsfreiheit überschritten.
Ich weiß, dass es auch in Sachen der gestrigen Anti-Nazi-Demo in Dresden (meinen Glückwunsch an die Demokraten in Dresden!) Bestrebungen in den Reihen der Piratenpartei gab, nicht gegen die Nazis aufzustehen, sondern sich für das Versammlungsrecht auch der Nazis einzusetzen. Sorry, aber da kommt mir der kalte Kaffee hoch. Das Ende der ersten deutschen Demokratie, der Weimarer Republik, zeigt doch deutlich genug was geschieht, wenn man Feinden der Demokratie zuviel Toleranz entgegenbringt.