
Der Katholik an sich (was oder wer immer das auch sein mag) mag ja ein liebevoller Mensch sein, der sich um Hungernde in Afrika, um Kranke in Südamerika und Verletzte in Indien kümmert.
Allerdings gibt es da noch den Einen oder Anderen, der im Mitteleuropa seine Zeit damit verbringt, Menschen zu bewerten; vor allem und besonders gern Anders- oder Nichtgläubige:
Die Verächter der Religion formieren sich. Ob es die Gebildetsten sind, die da gegenwärtig die Religion aufs Korn nehmen, sei dahingestellt.Auffällig aber ist: Einer Duldung weicht die aggressive Konfrontation. Den Atheisten reichts.
Quelle: Die Tagespost
Man beachte die kleine Boshaftigkeit indem den Atheisten erst einmal Bildung generell abgesprochen wird. Und immerhin: der letzte Satz des Zitates ist richtig.
In dem Artikel geht es eigentlich um den Film
Religulous - über den sich der Autor (selbstverständlich) eher lustig macht: „
Sich aufregen lohnt sich nicht.”
Die Struktur des Streifens ist einfach. Bill Maher, ein erfolgreicher US-Komiker, macht sich auf, den Religionskosmos zu erkunden. Und tatsächlich wirkt er dabei wie ein Außerirdischer, abgeschossen aus einer anderen Galaxie. Ungläubiges Staunen steht ihm ins Gesicht geschrieben. Nicht, dass er den Gläubigen all der Religionen, Konfessionen und Sekten, denen er begegnet, immer Unrecht täte: Sie machen sich selbst schon nach Kräften lächerlich.
Quelle: wie oben
Oh, sollte dieser Absatz etwa aussagen wollen, dass die Tagespost den Film positiv bewertet?
Nein, handelt es sich doch um ein katholisches Blättchen. Und deshalb gilt natürlich nur das als nicht lächerlich, was den eigenen Glauben betrifft.
Erbärmlich ist vielmehr das intellektuelle Niveau, das Maher dem entgegensetzt.
Quelle: wie oben
Und dann geht es los: es folgt eine Aufzählung, an welchen Stellen man die Bibel (konkret: die 10 Gebote) doch nicht wortwörtlich nehmen darf und weshalb die (Zitat!) „Freakshow” der amerikanischen Religionen nicht das Credo der Religionen sind.
Es ist schwer zu verstehen, was der Autor da aussagen will; nur so viel ist sicher; er verharmlost die diversen Spielarten der Religionen - nur um als göttergleiche Reinreligion die katholische Kirche zu benennen.
Was stört, ist die mit pubertärer Freude vorgetragene Rotzlöffelattitüde des Besserwissens. Sie verbirgt sich hinter dem Zweifel als einer angeblich allein wirklichkeitsgemäßen Haltung. In Wahrheit aber wird hier Rationalismus der dumpfesten Art präsentiert. Ich glaube nur, was ich sehe.
Quelle: wie oben
So kann nur Jemand reden/schreiben, der sich noch nie in der amerikanischen Wirklichkeit umgetan hat, der wirklich noch nicht verstanden hat, dass die Grundlage der „Freakshow” der eigene Glauben ist. Aber vermutlich kann man das auch nicht erwarten; zu erwarten ist genau diese Betriebsblindheit.
Keine Frage, im Namen der Religion sind Ströme von Blut vergossen worden. [...] Ob die atheistische Alternative unbedingt friedvoller daherkommt sei dahingestellt. Bill Donohue, [...] hat es auf den Punkt gebracht. „Mahers Argument, dass Religion tötet, sieht schwach aus angesichts der Tatsache, dass das 20. Jahrhundert das gewalttätigste in der Geschichte war. Hat er nicht bemerkt, dass Hitler, Stalin, Mao und Pol Pot ausdrücklich atheistisch und anti-religiös waren?
Quelle: wie oben
Da ist es wieder! Das Totschlagargument. Hitlers sog. „Drittes Reich” war erklärtermaßen christlich. Und der Totalitarismus eines Stalins, Mao's und Pol Pots ist weniger aus atheistischen denn aus personenkultlichen (und das
ist gläubigen) Gründen blutig.
Nur fällt es immer einfacher, den Splitter im Auges des Anderen als den Balken im Eigenen zu sehen...
Nic
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Nachtrag: 01.05.2009 : Nun hat auch der BrightBlog auf diesen „geistreichen”
Tagespost-Artikel verwiesen...