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Montag, 29. Juni 2009Horst Groschopp (Hrsg.) - Humanistisches Sozialwort (Teil 2)Kommentare
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Hallo Nic,
"Der Ausbau einer sozialen Infrastruktur als Erweiterung des transferlastigen deutschen Sozialstaates wäre keine neue, aber stets wieder zu erhebende Forderung." Kannst du mal kurz erklären, was Brütt mit der "sozialen Infrastruktur" in Abgrenzung zum sozialen Sicherungssystem meint? Das Bedingungslose Grundeinkommen? Das würde ja weniger Sozialstaat bedeuten, und keine "Erweiterung"...
Ich verstehe ihn so, dass er meint, dass es soziale Netzwerke geben muss; sich aufbauen müssen, die fern vom Staat entstehen. Dazu jedoch müsste es - wenn auch nicht notwendig monitäre - "moralische" Anerkennung geben.
Soziale Infrastruktur als kleinräumige Einrichtung von Netzwerken - es soll zum Beispiel Bibliotheken geben, die allein durch freiwillige Kräfte geführt werden... wenn diese Tätigkeit genügend gewürdigt werden würde... dann gäbe es diese soziale Infrastruktur. Das soziale Sicherungssystem ist staatlich, soziale Infrastrukturen eher privat (aber nicht unbedingt privatwirtschaftlich!)
Also die Privatisierung (ich weiß, nicht nur ökonomisch) der sozialen Vorsorge...könnte den Liberalen gefallen (die sind ja auch die einzige Partei, die das Bedingungslose Grundeinkommen in ihrem Parteiprogramm haben). Und ich dachte, der Sozialstaat wäre DIE große Errungenschaft der Arbeiterbewegung bzw. Deutschlands...ich möchte ihn lieber nicht missen. Zu den Bibliotheken: gibt es (leider) schon. S. schreibt ja darüber seine Arbeit. Wenn man gutgebildete Prenzlberg-Mutti mit Ernährer und zuviel Zeit ist, ist das ja sehr schön. Schade nur für die Bibliothekare (ohne Ernährer), die keine Stelle finden. ALso ich finde, da läuft was in die komplett falsche Richtung: einerseits Arbeitslose und prekäre Beschäftigungsverhältnisse, andererseits die Forderung nach unentgeltlichem "Bürgerengagement". Ich habe das Gefühl, da wird gerade (vor allem im sozialen und Bildungsbereich) mit der Propagierung eben dieses "Bürgerengagements" ein großes Sparprogramm initiiert. Hat der Staat dann mehr Geld für wirklich wichtige Dinge, wie Banken und Großkonzerne zu retten...
Ich glaube, Du bringst da was durcheinander - und das ich kein Propagandist der Privatisierung bin solltest Du wissen.
Worum es geht ist, dass neben der staatlichen Bildungspflicht sich Netzwerke, soziale Netzwerke aufbauen. Und die Arbeit darin honoriert wird. Ein Grundeinkommen wäre eine Möglichkeit der Honorierung. Nicht von "unentgeltlichem Bürgerengagenment" rede ich, sondern im Gegenteil von der Honorierung genau dessen.
Also Privatisierung meinte ich, wie geschrieben, nicht nur im ökonomischen Sinn sondern auch im allgemeinen Wortsinn: hast du mehrere Kinder, pflegebedürfitge Eltern, eine schwere Krankheit, bist arbeitslos - Privatsache. Da hast Du dann keinen Anspruch auf verschiedenst geartete staatliche Hilfe (das ist ja nicht nur die monetäre Seite!). Das Bedingungslose Grundeinkommen soll ja eben gerade diese ganzen Sozialleistungen zusammenfassen und einmalig abgelten. Nur das das eben nicht gerecht ist - manche haben mehr Vermögen und andere trifft's eben härter im Leben (siehe oben). Das Grundeinkommen kann also gar nicht "Bezahlung" für bürgerschaftliches Engagement sein, es ist ja vielmehr Lebensgrundlage. "Soziale Netzwerke" hören sich ja ganz nett an, aber fundierte Sachkenntnisse in Pädagogik, Pflege, Informationsvermittlung usw. können die nunmal nicht ersetzen...
Ich habe nicht gesagt, dass das Grundeinkommen die Lösung aller Probleme ist; aber es lässt wenigstens Lösungsmöglichkeiten und mehr Gerechtigkeit zu.
Und: ja, Grundeinkommen für alle heißt auch: Grundeinkommen für Herrn Ackermann.
Das Grundeinkommen für Herrn Ackermann ist nicht mein Problem, ob der nun 800 Euro mehr oder weniger hat, ist mir (und ihm) ziemlich egal. "Interessant" ist es dagegen für Leute in sozialen Notlagen, aber das habe ich ja schon geschrieben. Und jetzt sage mir mal: wieso "mehr Gerechtigkeit"? Und die Frage nach der Befähigung für fast alle Tätigkeiten (Wissensgesellschaft?)?
Fragen wir uns: was ist Gerechtigkeit?
Für mich: allen Menschen die gleichen Möglichkeiten einzuräumen. Das Grundeinkommen wäre eine denkbare Möglichkeit, dies zu verwirklichen, weil man weniger abhängig ist. (siehe Ch. Brütt) Wenn man in der Lage ist, "Nein" zu sagen wird man unabhängiger. Daraus folgend: weniger erpressbar - daraus folgend: die Entlohnungen müssen sich anpassen (angleichen?) - daraus folgt: ein wenig mehr Gerechtigkeit. "“Soziale Netzwerke” hören sich ja ganz nett an, aber fundierte Sachkenntnisse in Pädagogik, Pflege, Informationsvermittlung usw. können die nunmal nicht ersetzen..." Was willst Du? Dass nur Studierte, Aus- und Hochgebildete sozial tätig werden dürfen?
Also wenn Du das so siehst, kann man auch heute schon "Nein" sagen, es gibt ja ALGII, was so ziemlich auf einer Stufe mit dem Grundeinkommen liegt.
Zum zweiten: ja sicher! Nur Buchausleihe mit HSA! Mindestens! Am besten noch mit Doktortitel! Du willst mich anscheinend missvertehen...aber es sollte Dir doch auch klar sein, dass man nicht jede Dienstleistung von heute auf morgen beherrschen kann und will. Wenn meine Gasheizung kaputt ist, nutzt mir eben nur jemand was, der das mal gelernt hat, und kein "soziales Netzwerk". Und soziale Tätigkeiten bilden da keine Ausnahme, sondern sollten meiner Meinung nach gerade einen hohen Wissenslevel erfordern: ich dachte, die Wertschätzung und Achtung des einzelnen Menschen ist doch gerade Anliegen der Humanisten. Was für meine Heizung gilt, sollte doch mindestens auch für meine Mitmenschen, besonders die Schutzbedürftigen, gelten.
OK, ich hab Dich verstanden.
Nur weiß ich generell offensichtlich nicht, worauf Du hinaus willst. Ich verstehe den Diskussionsbedarf tatsächlich nicht. Niemand meint, dass alles nur noch über soziale Netzwerke laufen soll. Niemand, dass fachliche Arbeit nicht mehr bezahlt werden soll. Deshalb verstehe ich wirklich nicht, weshalb Du Dich daran so festbeißt. Was genau stört Dich denn an dem Gedanken, dass neben der fachlichen Arbeit auch Laien-Arbeit gemacht werden kann?
Habe ich eigentlich oben schon mal gesagt, aber gut: einerseits Arbeitslose und Arbeitsstellen, von denen man nicht mehr leben kann. Andererseits steigen ständig die Überstundenzahlen (reale Durchschnittsarbeitszeit für einen Angestellten pro Woche: 43 h). Warum sollte man nicht einfach diese Arbeit sinnvoller verteilen und gerechter entlohnen (Höchstarbeitszeit, Mindestlohn)? Warum sollen Menschen sich gegenseitig Konkurrenz machen mit Umsonst-Arbeit (das ist ja mein Problem dabei, nicht "Laien-Arbeit")? Das spricht doch eher für sinkende Löhne. Warum sollen Arbeitgeber auf Kosten der Allgemeinheit entlastet werden?
...aber da sind wir uns doch einig!
Dass immer weniger Arbeitende immer mehr Zeit arbeiten... ist das nicht ein gutes Argument pro Grundeinkommen? Ich z.B. würde natürlich weiterhin arbeiten; aber sicherlich nicht mehr so lange, so viele Stunden. "Warum sollen Menschen sich gegenseitig Konkurrenz machen mit Umsonst-Arbeit (...)? Das spricht doch eher für sinkende Löhne. Warum sollen Arbeitgeber auf Kosten der Allgemeinheit entlastet werden?" Das ist genau der Punkt, an dem auch ich das Prinzip "Grundeinkommen" in der derzeitigen Gesellschaft scheitern sehe. Und daher rührt auch mein Pessimismus, die Einführung des Grundeinkommens noch zu erleben. In dem Moment, wo die Arbeitenden frei(er) werden, sich zu entscheiden, (auch gegen die Annahme eines Hungerlohnes) - in dem Moment sind die "Arbeitnehmer" nicht mehr erpressbar. Und das - das weiß ich - widerspricht dem System. Und doch: man sollte diese Alternative bedenken; auch wenn sie unumsetzbar wirkt. |
Ich mag verdammen, was du sagst, aber ich werde mein Leben dafür einsetzen, dass du es sagen darfst. (Voltaire) Tagsatheismus aufklaerung berlin bloginterna brights buskamapgne DDR demokratie deutschland foto gbs geschichte gesellschaft humanismus humor internet iran iranelection islam kirche literatur medien natur philosophie piraten politik Pro Reli reisen religionen review sachbuch schmidt-salomon sozialismus tabak video
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CoverBei all den aktuellen Themen, die das Blog derzeit beherrschen möchte ich nun trotzdem das Angefangene beenden: die letzten Teile des “Humanistischen Sozialwortes” beschreiben. Akzeptanzkrise des real existierenden Kapitalismus Christa
Aufgenommen: Jul 08, 13:35
CoverDieses Buch musste ich lesen! Bin ich doch davon ausgegangen, dass in diesem Buch Handlungsanleitungen für die Umsetzung eines humanistischen Weltbildes zu finden sein mögen. Das ist leider nicht so ganz der Fall. Doch unabhängig davon hat mich das
Aufgenommen: Jul 08, 13:38